Druckkammerfahrten am 10. und 17. Januar 2006

Logbucheintrag vom 10.01.2006, Tiefe: 57m, Tauchzeit: 69min, Temperatur, je tiefer desto wärmer, Deko: ja, und wie, Besonderes: noch immer alles trocken.

So oder so ähnlich wird dieser Abend denjenigen den acht Teilnehmern des ersten Lake-it Events im neuen Jahr in Erinnerung bleiben. Begonnen hat der Abend völlig entspannt in Zürich. Teils mit dem Auto, teils mit dem Zug ging es danach weiter nach Basel in die Praxis von Jörg Schmutz, einem Spezialisten in Sachen Lungen und hyperbarer Medizin. Das Ziel? Seine Druckkammer. Nach kurzer Einführung und Erörterung der möglichen Risiken schnappte die Türe zu. Für die nächste Viertelstunde war konstanter Druckausgleich angesagt. So ab rund 10 Metern scheiterten die Versuche, fröhlich ein Liedchen zu pfeifen. Nach passieren der 15 Meter Marke fühlte man sich immer mehr in einen Trickfilm versetzt, piepsende Stimmen und grinsende Gesichter. Auf der Tiefe von 57 Metern angekommen war es auch dem letzen zu warm geworden, ein doch eher ungewohntes Gefühl für alle Zürichsee-Taucher. Nach einer Viertelstunde Grundzeit und verschiedenen Versuchen die Wirkung der Tiefe sicht- hör- und fühlbar zu machen, dann der Aufstieg, Dekostopps und eine wohltuende Abkühlung. Jeder versuchte in dieser Phase auf seinen Körper zu hören, ist das jetzt ein Kribbeln? Habe ich schon rote Flecken?

Am Ende der Fahrt wurde aus der Theorie dann Ernst und ein Teilnehmer hatte leider wirklich Deko-Symptome…

Beim Auftauchen zum ersten Stopp auf 15m bekam ich rote Flecken auf den Unterarmen (Innenseite). Auf 6m haben sie dann angefangen zu jucken, worauf ich für die restliche Aufstiegsphase Sauerstoff geatmet habe. Die Haut reagiert sehr empfindlich auf Bläschen, die Flecken und das Jucken sind eine allergische Reaktion auf diese, worauf mir Dr. Schmutz ein Allergiemittel gab, das ich sofort einnahm. Kurz bevor wir aufbrachen bekam ich müde Beine und Kribbeln (Ameisen) in den Fingerspitzen. Dies war dann Grund genug, nochmals in die Kammer zu gehen. Die nächsten 2.5h verbrach ich mit Sauerstoffmaske in der Kammer. Als ich die Kammer verliess – alle meine ‘Buddies’ erwarteten mich, was mich sehr gefreut hat – war ich symptomlos.

Am nächsten Tag kam dann das Hautjucken wieder. Dass es am Vorabend abgeklungen war ist wohl auf das Medikament zurückzuführen. Am Donnerstag war aber auch das Jucken weg. Müde war ich noch einige Tage, aber ansonsten hatte ich keine weiteren Symptome.

Wichtig ist, dass sich die Leute frühzeitig melden wenn sie Symptome bekommen und sich genieren! Ich hab auch gezögert, bis ich mir wirklich sicher war, dass es juckt. Das ‘Gefühl’ hatte ich schon vorher. Im Nachhinein hätte ich mich wohl einige Minuten früher gemeldet. Je schneller bei Dekosymptomen reagiert wird, desto besser sind sie behandelbar.”

Nach diesem ungeplanten Ereignis dann die Rückfahrt nach Zürich, das Diskussionsthema war klar – und auch, warum Tauchgänge in solche Tiefen mit langen Dekompressionsphasen im Bereich des Sporttauchens nichts verloren haben! Der Zwischenfall war deshalb problemlos weil sofort behandelt werden konnte, der selbe Unfall einige Stunden Bootsfahrt entfernt in einer abgelegenen Region hätte wesentlich dramatischere Folgen gehabt.

Bei der Fahrt eine Woche später hatten gleich drei Teilnehmer leichte Dekompressionssymptome, ob sie einfach besonders sensibel auf kribbeln reagiert haben weil sie vom Vorfall in der Vorwoche wussten sei dahingestellt. Bei zwei früheren Fahrten, die wir unternommen hatten, verlief eine ohne Zwischenfälle, bei der anderen traten ebenfalls leichte Hautsymptome bei einer Teilnehmerin auf.

Bei einem so tiefen Tauchgang mit Deko ist auf jeden Fall mit einem erhöhten Blasenanfall zu rechnen, welcher z.B. in Verbindung mit einem PFO (Offenes Forum Ovale) zu einem Unfall führen kann. Ein PFO – in unterschiedlicher Grösse – lässt sich bei ca. 25 – 30% der Bevölkerung nachweisen, so das rein statistisch bald 1/3 aller Taucher ein PFO aufweist. Unter den Teilnehmern einer Druckkammerfahrt, die anschliessend leichte Deko Symptome gezeigt haben, lies sich in den allermeisten Fällen ein PFO nachweisen, so dass dies als Ursache wahrscheinlich ist. Aus diesem Grund sollte, wenn es einmal einen solchen Zwischenfall gegeben hat, auf ein PFO untersucht werden und falls eines gefunden wird unbedingt die Richtlinien für “Blasenarmes Tauchen”, wie sie z.B. von DAN aufgestellt wurden, eingehalten werden.

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