Eistauchen im Silsersee vom 23. – 24. Januar

Plaun da Ley, Engadin

Strahlend blauer Himmel, minus zehn Grad Celsius und zahlreiche Langläufer auf dem Silsersee. Und mittendrin ein völlig gefrorenes Tauchjacket! Ist das etwa im Sommer verloren gegangen? Oder liegt irgendein „Missverständnis“ vor? Keineswegs! Lake it ist am Eistauchen!

Nachdem die Teilnehmer des Eistauchkurses in einer Theorielektion einiges über die Sicherheitsaspekte, Spezialausrüstung und Verfahren beim Eistauchen gelernt hatten, wollten sie dieses neue Wissen natürlich schnellstmöglich in der Praxis anwenden und das einzigartige Abenteuer „Eistauchen“ selbst erleben. So trafen sich alle sieben Kursteilnehmer sowie Stephan Gentner und Stephan „Erg“ Manfré am Sonntagmittag im Engadin. Nach einer kurzen Verpflegung im Hotel Cristallina ging’s an die Vorbereitung des Tauchplatzes: Schnee schaufeln, Blachen verlegen, Seile verankern, etc. Zur Freude aller schnitt uns Urs Grigoli – ein Kantonspolizist – zwei Eislöcher mit einer Kettensäge in die Eisdecke, so dass wir Zeit und etliche Schweisstropfen sparen konnten. Da sich alle mächtig ins Zeug legten und jeder mithalf, konnte das erste Tauchteam schon kurz vor 15 Uhr in die „eisigen Fluten“ eintauchen.

Natürlich war das Handling der Sicherungsleinen zunächst ungewohnt, genau so wie die Tauchumgebung ohne direkte Aufstiegsmöglichkeit und die ganz besonderen Lichtverhältnisse. Aber alle „meisterten“ den ersten Eistauchgang ausgezeichnet und kamen nach jeweils ca. 20 Minuten wohlbehalten und mit einer Menge neuer Erfahrungen an die Oberfläche zurück. Nach 17 Uhr – jeder hatte mindestens einen Eistauchgang gemacht – packten wir unsere „Sieben Sachen“ (wobei es genau genommen mindestens 20 Sachen waren), gingen ins Hotel zurück und gönnten uns einen Apéro. Zwischenzeitlich war auch Matthias Hebsacker als letzter Teilnehmer des Lake it Events im Hotel angekommen.

Hauptthema waren natürlich die Erlebnisse des Nachmittags. Während die einen vor allem von der massiven Eisdecke beeindruckt waren und erzählten, wie die ausgeatmete Luft an der Eisdecke wie Quecksilber aussah, schwärmten die anderen von den vielen verschiedenen Blautönen, der guten Sicht oder von den Lichteffekten unter Wasser. Natürlich wurde auch über die Tücken des Leinenhandlings und die sehr tiefen Temperaturen diskutiert. Durch diese Kälte und den leichten Wind gefror nämlich alles innert Sekunden, was höchste Anforderungen an Material und Taucher stellte.

Nach einem vorzüglichen Abendessen beschlossen wir den Tag mit einer feinen Shisha (welche gewissermassen zur Standardausrüstung von Erg gehört), einem edlen Tropfen oder einem „Gute Nacht Tee“.

Am nächsten Morgen musste wiederum zunächst der Tauchplatz vorbereitet werden. Diesmal mussten wir das Eisloch selber wieder öffnen, hatte sich doch über Nacht eine ca. 5cm dicke Eisschicht gebildet. Dank Vorschlaghammer, Eisstöcken und dem Einsatz aller Beteiligten kamen wir sehr schnell voran und konnten gleich mit dem Tauchen beginnen. Während des ganzen Tages konnten die Techniken des Eistauchens verfeinert und natürlich weitere wunderschöne Eindrücke gewonnen werden. Da die beiden Eislöcher bis etwa 13 Uhr in der Sonne waren, lohnten sich die morgendlichen Tauchgänge ganz besonders. Das Lichtspiel unter der Eisdecke war schlicht phänomenal! Ganz besonders beeindruckend waren jene Stellen, wo wir den Schnee von der Eisdecke weggeschaufelt hatten, so dass das blanke praktisch durchsichtige Eis zum Vorschein kam.

Mit der Zeit fühlten sich alle sehr sicher unter dem Eis und einige begannen zu „experimentieren“: Kann ich eigentlich kopfüber mit den Flossen an der Eisdecke gehen? Wie fühlt es sich an, wenn man von den Leuten an der Oberfläche mit dem Sicherungsseil in zügigem Tempo „an Land gezogen“ wird? Jeder genoss die Tauchgänge auf seine eigene Weise. „Mühe“ bereiteten uns einzig die tiefen Temperaturen und der leichte Wind. Was immer feucht oder nass war, gefror innerhalb weniger Sekunden! Jackets verwandelten sich in Eisblöcke, Seile wurden steif wie Draht und Erg fror einmal sogar auf dem Eis fest!

Wiederum endete der tolle Tag mit einem feinen „Znacht“ und einem Schlaftrunk. Da alle Kursteilnehmer ihre „Pflicht“ erfüllt hatten, konnten sie den dritten (und letzten) Tag als brevetierte „Ice Diver“ in Angriff nehmen. Das Prozedere war allen bekannt: Frühstück, Tauchplatz vorbereiten, tauchen! Alle machten nochmals einen oder zwei Tauchgänge bei phantastischen Bedingungen. Das Erlebte kann kaum in Worte gefasst werden, man muss es einfach selbst erlebt haben!

Viel zu schnell wurde es Mittag. Wir packten unsere Ausrüstung ein letztes Mal zusammen, sicherten die Eislöcher und gönnten uns eine letzte „Engadiner Mahlzeit“. Die meisten gingen jetzt auch noch auf Unterschriften-Jagd; war doch das Nachführen des Logbuchs an den beiden vorangegangenen Tagen sträflich vernachlässigt worden. Wir hatten „wichtigeres“ zu tun!

Bericht: Stephan “Erg” Bilder: Matthias

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